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| Posted by Fh-Redaktion on 09.05.2012 07:39 (12 reads)
| Die folgende Resolution wurde auf der Jahreshauptversammlung unseres Verbands am 05.05.2012 in Stuttgart einstimmig verabschiedet:
Diakonie diffamiert die Eltern!
In einer Pressemeldung vom 27.4.2012 nimmt die Diakonie der Evangelischen Kirchen in Deutschland die geplante Anrechnung des Betreuungsgeldes bei Sozialleistungen zum Vorwand, es abzulehnen. Die Bildungschancen für die unter 3-jährigen Kinder seien in einer Krippe besser gegeben als bei den Eltern. Das ist schon angesichts der selbst im 8. Familienbericht beschriebenen qualitativen Mängel in den meisten Krippen eine abwegige Behauptung. Dazu kommt, dass in diesem Alter die Bindung zu mindestens einer festen Bezugsperson wichtiger ist als Bildung, denn eine gelungene Bindung ist Voraussetzung für das spätere Neugierverhalten und den Lernwillen des Kindes und damit für Bildung. Schließlich unterstellt diese Behauptung aber auch in unverschämter Weise, Eltern vernachlässigten generell ihre Kinder.
Zur scheinbaren Rechtfertigung beruft sich die Diakonie auf den `Kinderreport 2012` des Deutschen Kinderhilfswerks, der zur Auffassung kommt, dass die Mitbestimmung von Kindern in `Kitas` (Kinderkonferenzen, Kinderräte, Kinderparlamente) einen positiven Einfluss auf die Kinder habe. Damit können aber am ehesten Kindergärten, also Kinder über 3 Jahren, gemeint sein, die gar nicht Gegenstand der Diskussion um das Betreuungsgeld sind.
Die in der Bezeichnung `Kita` begriffliche Vermischung von Kinderkrippe und Kindergarten wird hier offensichtlich gezielt eingesetzt, um die Öffentlichkeit und die Eltern irreführend zu informieren und die Aussage des Kinderreports zu missbrauchen.
Wenn die Diakonie die Anrechnung des Betreuungsgeldes bei Sozialleistungen für falsch hält, sollte sie dessen Nichtanrechnung fordern, um einen Beitrag zum Abbau der Familienarmut zu leisten, statt es insgesamt abzulehnen. – Stattdessen wird der Ausbau von Krippen gefordert, die monatlich mindestens 1000 € pro Platz kosten, während den Eltern für die Betreuung ihrer Kinder nicht mal 150 € gegönnt werden. Damit lässt die Diakonie erkennen, dass sie in erster Linie an die Interessen der in ihren Einrichtungen Beschäftigten denkt, nicht dagegen an das Kindeswohl und die berechtigten Interessen von Eltern.
07. Mai 2012 Bundesvorstand Verband Familienarbeit e.V. (vormals Verband der Familienfrauen und -männer e.V.)
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vffm-Pressemeldung : Die FDP widerspricht dem von ihr selbst propagierten Freiheitsideal ! | Posted by Fh-Redaktion on 18.04.2012 19:49 (75 reads)
| Der Bundesvorsitzende der Jungliberalen, Lasse Becker, behauptet aktuell*, er kenne niemanden in der FDP, der "inhaltlich vom Betreuungsgeld überzeugt ist". Es sei "aus liberaler Sicht falsch". Dazu stellt die Vorsitzende des Verbandes der Familienfrauen und -männer e.V., Gertrud Martin, fest: „Das politische Mantra der FDP, mit dem sie derzeit vollmundig verlorenes Terrain zurückgewinnen will, besteht aus den Begriffen `Freiheit` und `Leistungsgerechtigkeit`. Die Eltern, denen die FDP nicht einmal die winzige Anerkennung ihrer Erziehungsleistung in Form des Betreuungsgeldes (5 € täglich!) gönnen will, fragen sich, wie diese Begriffe denn interpretiert werden sollen.“ Weiter führt Frau Martin aus, die FDP pervertiere diese Begriffe als Werte, die lediglich in der Wirtschaft, nicht aber für Eltern wirksam sein sollen. Die Freiheit der Eltern, die Erziehungsverantwortung für ihre Kinder nach eigenen Vorstellungen wahrzunehmen, gebe es offensichtlich nach Auffassung der FDP nicht, obwohl diese Freiheit ausdrücklich in den Grundrechten verankert ist. Laut FDP hätten Eltern uneingeschränkt der Wirtschaft als günstiges Arbeitskräftepotenzial zur Verfügung zu stehen. Für Mütter und Väter sei nach dem Verständnis der FDP weder Freiheit der persönlichen Lebensgestaltung noch Leistungsgerechtigkeit vorgesehen. 16. April 2012 Pressestelle des vffm *Quelle: Interview im Deutschlandfunk mit Bettina Klein am 10.04.2012, nachzulesen unter http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1725663/
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vffm-Pressemeldung : Bundesregierung als Sprachrohr von Wirtschaftsinteressen. Erneute Desinformation über Kinderkrippen | Posted by Fh-Redaktion on 03.04.2012 10:36 (72 reads)
| Wieder präsentiert Familienministerin Kristina Schröder von der Wirtschaftsslobby bestellte Studien zur Krippenpolitik. Zitat aus der Pressemeldung ihres Ministeriums (BMFSFJ) vom 29.03.2012: „Frühkindliche Betreuung hat gerade für Kinder von Alleinerziehenden positive Auswirkungen, da unter anderem das Armutsrisiko, von dem Alleinerziehende überdurchschnittlich häufig betroffen sind, durch eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung gesenkt werden kann. Das ist eines der Ergebnisse der Studie "Gesamtgesellschaftliche Effekte einer Ganztagesbetreuung von Kindern von Alleinerziehenden", des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK)“. Dazu äußert sich die Vorsitzende des Verbandes der Familienfrauen und -männer, Gertrud Martin: „Offenbar betrachtet die Wirtschaft auf dem Hintergrund des sich abzeichnenden Fachkräftemangels die Eltern in erster Linie als Arbeitskräftepotential zur Gewinnmaximierung. An deren Wahlfreiheit oder gar an das Wohl der Kinder wird nicht gedacht. Anstatt die Armut Alleinerziehender durch Bezahlung der Erziehungsarbeit zu beseitigen, werden sie zu einer Vollerwerbstätigkeit neben der Kindererziehung gedrängt. Dies wird dann zum Gewinn für Eltern und Kinder hochgejubelt, obwohl die Doppelbelastung gerade diese Eltern trotz Krippe zunehmend zwingt, sich gesundheitlich zu überfordern und ihre Kinder zu vernachlässigen.“ Zur Verschleierung der wirklichen Absichten werde das seit Jahren vom Bertelsmann-Konzern verbreitete Märchen aufgewärmt, Krippenbetreuung fördere den späteren Besuch eines Gymnasiums. Gertrud Martin: „Stimmte das, müssten die Pisa-Ergebnisse in den neuen Bundesländern, wo Krippenbetreuung viel verbreiteter ist, weit besser sein als in den alten. Das ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Die soziale Kompetenz der Schüler ist in den neuen Bundesländern durchweg wesentlich schlechter als in den alten, nachzulesen im Bericht Pisa 2000 für Deutschland“. Dazu der entsprechende Link (siehe Kapitel 5): http://www.mpib-berlin.mpg.de/Pisa/PISA-E_Vertief_Zusammenfassung.pdfEin ursächlicher Zusammenhang zwischen Krippenbetreuung und geringerer sozialer Kompetenz lasse sich zwar nicht zweifelsfrei beweisen, da auch andere Unterschiede zwischen Ost und West als Ursache in Frage kämen, so die vffm-Vorsitzende. Eine Verknüpfung liege aber nahe, wenn andere Untersuchungen einbezogen werden, die übereinstimmend auf eine Gefährdung der sozialen Entwicklung durch frühe Krippenbetreuung hinweisen. Zu nennen sei etwa die breit angelegte NICHD-Studie, die zeige, dass mit der Dauer früher Gruppenbetreuung späteres dissoziales Verhalten zunimmt. Näheres auch in „Auswirkungen frühkindlicher Gruppenbetreuung auf die Entwicklung und Gesundheit von Kindern“ in: Kinderärztliche Praxis, Ausgabe: 5, Jahr: 2011. Im Internet unter http://www.kinderaerztliche-praxis.de/archiv.html (auswählen: Zum offenen Archiv) – Suchbegriff „Gruppenbetreuung“ 02. April 2012 Bundesvorstand des Verbandes der Familienfrauen und -männer e.V. Pressekontakt: vffm.presse@t-online.de
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| Posted by Fh-Redaktion on 16.03.2012 10:09 (109 reads)
| von Dr. Johannes Resch
Die deutsche Angst ... Unter diesem Titel veröffentlichte kürzlich die Firma Milupa die Ergebnisse einer Studie. Diese hatte sie beim Rheingold-Institut, das sich sonst vor allem mit Werbepsychologie befasst, in Auftrag gegeben. Die Studie unterscheidet sich von solchen, die von der Bundesregierung gefördert werden: Sie ist keine „Hofberichterstattung“, mit der das politisch gewollte Ideal der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ propagiert wird. Im Gegensatz dazu ist das Bemühen erkennbar, die Hintergründe der „deutschen Angst vorm Kinderkriegen“ zu erfahren, was schließlich auch im Interesse von Milupa liegen dürfte.
Zur Methode: Es wurden im Herbst 2009 über 1.000 junge Mütter, Schwangere und andere junge Frauen mit und ohne Kinderwunsch „in jeweils zweistündigen Tiefeninterviews“ von Psychologen befragt, „um ein klares Bild von der Situation der Mütter in Deutschland“ zu erhalten. Dazu ein Zitat aus der Studie: „Deutsche Mütter heutzutage möchten nach außen und vor sich selbst einen möglichst gelassenen Eindruck vermitteln. 78 Prozent der befragten Frauen tragen Gelassenheit als große Vision beim Thema Kinderkriegen und Kinderhaben vor sich her, allerdings nur 44 Prozent fühlen sich beim Thema Kinder wirklich entspannt. Denn der schöne Schein trügt. Viele deutsche Mütter sind verunsichert, fühlen sich oft genug überfordert und sehen sich einem permanenten Perfektionsdruck ausgesetzt. Tief in ihnen brodeln elementare Verlustängste und eine tiefe Unzufriedenheit.“
Das zieht sich als roter Faden durch die Ergebnisse der Befragung: Viele Mütter wollen dem politisch propagierten Ideal der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ entsprechen, schaffen das aber nicht. Diese Feststellung deckt sich mit anderen Beobachtungen, nach denen ein zunehmendes „Burn-out-Syndrom“ beschrieben wird bei Müttern, die gleichzeitig eine gute Mutter und erfolgreich im Erwerbsleben sein wollen (http://www.urbia.de Suchbegriff: „Burn-out: Mütter in der Erschöpfungsfalle“). Die Studie zeigt, dass zumindest im Unterbewusstsein der auf politischer Ebene propagierten Maxime misstraut wird. Zitat: „Interessant ist die Tatsache, dass die Mamas von heute ungestützt weit mehr Vertrauen in Unternehmen wie Milupa haben als in die deutsche Politik.“ Im Studienbericht wird empfohlen: „Unternehmen sollten sich stark machen für Mütter“.
Als Konsequenz aus der Studie schlagen die Autoren „Projekte und Kampagnen“ vor, „die einen inneren Haltungswechsel der Gesellschaft zum Anspruch an Mütter bewirken.“ Sie zeigen damit, dass sie die Ursache der beobachteten Defizite in erster Linie in einer übersteigerten Erwartungshaltung der Gesellschaft an die Mütter sehen, die zu korrigieren sei. Die Frage, ob dafür handfeste Fehler innerhalb unserer Gesellschaftsstruktur verantwortlich sind, wird leider nicht gestellt. Vermutlich bleiben die Autoren in ihrem gewohnten Denken als Werbepsychologen gefangen. Damit soll der Wert der Studie keinesfalls in Frage gestellt werden. Er liegt in der anschaulichen Darstellung der psychologischen Situation von Müttern. Die Aufforderung der Autoren an Unternehmen wie Milupa, sie sollten sich für Mütter engagieren, zeigt auch, dass sie dem kindbezogenen Teil der Wirtschaft mehr zutrauen als den politisch Verantwortlichen. Unrealistisch ist das nicht. Schließlich sind die Kinder und ihre Eltern die Kunden für diesen Teil der Wirtschaft. Für Politiker sind aber Kinder keine Wähler und ihre Eltern schon längst zur Wählerminderheit geworden.
So weit die „Milupa-Studie“. Sind nun deren Deutungen vielleicht eine Überinterpretation wichtigtuerischer Psychologen? Ich glaube das nicht. Sie finden in der Statistik der Deutschen Rentenversicherung eine Bestätigung. Diese zeigt nämlich, dass es immer mehr Frühberentungen wegen psychischer Störungen gibt. Frauen sind dabei fast doppelt so häufig betroffen wie Männer. Zwar zeigt die Statistik nicht, wie hoch der Anteil der Mütter ist. Der Schluss liegt aber nahe, dass es besonders Mütter sind, die im „Hamsterrad Familie und Beruf“ im Burn-out-Syndrom („Ausgebranntsein“) landen. Mütter, die diesem Schicksal entfliehen wollen, können ihre Erwerbstätigkeit einschränken oder ganz darauf verzichten, um sich ihren Kindern zu widmen. Dann werden sie als „faul“ beschimpft. Die Geringschätzung ihrer Tätigkeit ist dann ebenfalls ein Boden für psychische Störungen, in diesem Fall bevorzugt für Depressionen.
Wer als Frau die Zwickmühle zwischen Hamsterrad und Aschenputtel-Image vermeiden will, hat den „Ausweg“, auf die „Mutterrolle“ zu verzichten. Dann ist eine erfolgreiche Erwerbstätigkeit ohne Überforderung möglich; dann kann man sich auf eine hohe Rente freuen, die von den Kindern der Mütter bezahlt werden muss. Diese Frauen nehmen also Vorrechte gegenüber ihren Geschlechtsgenossinnen in Anspruch, die sonst nur kinderlose Männer haben. Sie betrachten sich oft als „Feministinnen“, haben aber frühere Vorrechte der Männer für ihre eigene Person in hohem Maß verinnerlicht und sind in Wirklichkeit „patriarchalisierte Frauen“1).
Was kann aber nun Unternehmen wie Milupa empfohlen werden, die mit Recht durch die Vernachlässigung von Mütterinteressen beunruhigt sind? Sollen sie die Propaganda-Feldzüge der Bundesregierung konterkarieren? Ein solcher „Krieg der Ideologien“ würde der Wahrheitsfindung vermutlich nicht dienen. Richtiger ist es, zunächst danach zu fragen, wo die strukturellen Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft liegen, die den Müttern das Leben schwer machen, indem ihre Leistung nicht angemessen gewürdigt wird und ihnen daher nur die Alternative zwischen „Patriarchalisierung“ oder Hamsterrad lässt. Schon in der herkömmlichen Familie war es so, dass die Arbeit des männlichen „Ernährers“ mehr galt als die häusliche Arbeit einer Mutter. Davon unberührt blieb aber der von den Müttern erarbeitete „wirtschaftliche Mehrwert“ in Form der sozialen Sicherung durch die Kinder für Krankheit und Alter innerhalb der Familie. Jeder Vater spürte, dass die Arbeit der Mutter auch seiner persönlichen sozialen Sicherheit für Krankheit und Alter diente. Das „patriarchalische Denken“ beschränkte sich damit auf das Innenleben der Familie und hatte keine Auswirkungen auf deren soziale Gesamtsituation innerhalb der Gesellschaft.
Im Rahmen der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung wurde das ursprünglich auf das Innenverhältnis der Familie beschränkte „patriarchale Denken“ auf die ganze Gesellschaft übertragen. Unter Missachtung der Erziehungsleistung wurde der von den Müttern erwirtschaftete Mehrwert nicht mehr den Eltern belassen, sondern als „Alterslohn“ an vorangegangene Erwerbsarbeit gekoppelt. Plötzlich profitierten Leute ohne Kinder von den Kindern anderer mehr als deren Eltern. Damit erfolgte eine ungleich krassere Abwertung der Erziehungsarbeit, als das zuvor innerhalb der Familie der Fall war. Geschädigt waren aber jetzt nicht nur die Mütter, sondern mit ihnen auch die Väter. Diese gaben zumindest im Unterbewusstsein oft den Müttern die Schuld dafür, was wiederum deren psychologische Situation zusätzlich verschlechtern musste.
Es ist unbestreitbar, dass unser heutiges, auf Abwertung der Erziehungsarbeit beruhende Sozialsystem von patriarchalisch denkenden Männern wie Adenauer geschaffen wurde. Beispielhaft dafür ist die Rentenreform 1957. Frauen spielten damals in der Politik noch eine geringe Rolle. Inzwischen wird diese mütter- und elternfeindliche Haltung aber am stärksten von Frauen verinnerlicht, die sich als feministisch bezeichnen und vorgeben, die Interessen von Frauen zu vertreten, aber ausschließlich in der Erwerbsarbeit eine Möglichkeit der „Selbstverwirklichung“ sehen. Begriffe, die eine Abwertung der Erziehungsarbeit zum Ausdruck bringen (wie „Herdprämie“ oder „Gluckengeld“) werden heute besonders von „patriarchalisierten Frauen“ verwendet und von Männern oft nur nachgeplappert.
Die Milupa-Studie bestätigt mal wieder, dass das heute von allen fünf Bundestagsparteien propagierte „Hamsterrad Familie und Beruf“ kein zukunftsfähiger Weg ist. Schon das Schlagwort der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ vermittelt unterschwellig eine Abwertung der Erziehungsleistung. Es vermittelt ja, dass Arbeit für Kinder und Pflegebedürftige in der Familie kein „Beruf“ sei. Damit werden Wertmaßstäbe gesetzt, denen nur noch durch Verzicht auf Kinder entsprochen werden kann. Bleibt unsere Gesellschaft bei dieser kinderfeindlichen Wertorientierung, hat sie sicher keine Zukunft.
Quelle: 1 Kirsten Armbruster: Starke Mütter verändern die Welt. Was schiefläuft und wie wir Gutes Leben für alle erreichen. Christel Göttert Verlag, Rüsselsheim 2007. ISBN: 978-3-922499-97-8. Buchvorstellung in Fh3/2008, S. 4
Abdruck in Fh 1/2012
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| Posted by Fh-Redaktion on 16.03.2012 10:00 (53 reads)
| von Gertrud Martin
Noch aus der Zeit, als ich in meiner Heimatregion eine Bürgerinitiative gegen den Bau einer Müllverbrennungsanlage gegründet und geführt habe, bin ich meinen Mitbürger/innen als „Wiederverwerterin“ bekannt. Sie bringen mir zu meinem einmal jährlich stattfindenden Verschenken-statt-Wegwerfen-Markt alles, was sie nicht mehr brauchen, was ihnen aber zum Wegwerfen zu schade ist. So landen auch große Mengen von Textilien bei mir, die ich nach Bedarf wasche, entflecke, repariere und je nach Bestimmungsort (Altenheim, Krankenhaus, Waisenhaus, Straßenkinder) sortiert verpacke, für unsere örtliche Rumänienhilfe. Daraus abgezweigt habe ich nun in meinem Kofferraum sechs große Kartons mit Säuglingsausstattung verstaut, die ich der Betreuerin einer Beratungsstelle für Schwangere bringen will. Die junge Frau empfängt mich freudestrahlend. Wir kommen ins Gespräch, und ich verliere allmählich meine Scheu, Fragen zu stellen.
Die Beratungsstelle, um die es sich hier handelt, verteilt keine Scheine, die als „amtlicher Ausweis“ einer erfolgten Beratung den Zugang zu einer Abtreibung eröffnen. Hier wird versucht, es den oft aus Verzweiflung mental ganz durcheinander geratenen Frauen zu ermöglichen, wieder klarer zu denken, ihre Situation zu erfassen und mit ihnen gemeinsam zu überlegen, wie das Beste daraus zu machen sei. Nicht wenige Frauen kommen aber auch nach erfolgter Abtreibung in die Beratungsstelle, um in Depression und großer Not Beistand und Trost zu suchen. Meist können sie ihre Trauer mit niemandem sonst teilen.
„Gleich am Anfang eines Gesprächs muss ich genau hinhören, um zu wissen, woran ich bin“, erzählt mir die sympathische Betreuerin. „Wenn die Schwangere sagt: ‚Ich WILL das Kind nicht haben‘, weiß ich, dass meine Hilfsangebote wenig Gehör finden werden. Wenn es aber heißt: ‚Ich KANN das Kind nicht haben‘, ist klar, dass es noch Chancen gibt. Dabei hat häufig, bevor eine Frau in die Beratungsstelle kommt, der Partner ihr schon klargemacht, dass er keinesfalls bereit ist, den – auch dank des Erwerbseinkommens der Frau – einigermaßen gesicherten Lebensstandard des Paares/der Familie einzutauschen gegen ein ungeplantes Kind. Mit dieser klaren Vorgabe überlassen diese Männer die Letztentscheidung großzügig der Frau.“
Auf der Heimfahrt komme ich sehr ins Grübeln. Noch nie ist mir so klar geworden, was mit der von unserem Verband vielfach beschworenen „Wahlfreiheit“ tatsächlich gemeint ist. Keine Sekunde habe ich je zögern müssen, mich von Herzen zu freuen, wenn sich in unserer Familie Nachwuchs ankündigte. Mein Mann verdiente genug, es gab Haus, Garten und liebe Großeltern. Für Frauen, die ihr ungeborenes Kind „umbrachten“, hatte ich null Verständnis.
Nun habe ich eine Vorstellung davon bekommen, dass es für sie schlicht um die Wahl zwischen Leben und Tod geht und ganz persönlich darum, Mutterglück erleben zu dürfen oder Schuld auf sich zu laden. Ein Papier mit aufgelisteten Fallbeispielen, das ich aus dem Beratungsbüro mitgenommen habe, zeigt die ganze Bandbreite von Frauenschicksalen, denen mit §§ 218, 219 nicht einmal ansatzweise Genüge getan ist.
Zum Thema Abtreibung1) hat der dhg-Vorstand vor gut 20 Jahren einen Minimalkonsens erarbeitet, der auf der JHV am 28.09.1991 in Düsseldorf als Resolution verabschiedet wurde. Unter dem Titel: „Lohn für Familienarbeit statt Strafverfolgung bei Abtreibung“ erschien diese Resolution in der Verbandszeitung2) – sie ist aktueller denn je. Darüber, dass allein die betroffene Frau zu entscheiden hat, ob sie ein Kind haben will oder nicht, lässt sich überhaupt nicht streiten. Wofür wir aber entschieden kämpfen müssen, ist die echte Wahlfreiheit. Die Frage: „Wie gehen Gesellschaft und Politik mit den Müttern um, und wie wird deren zukunftssichernde Arbeit honoriert?“ muss immer neu und immer dringlicher gestellt werden.
Fußnoten: 1 In den 1990er Jahren war die Diskussion um den § 218 aktuell, weil für die deutsche Einheit eine einheitliche Gesetzgebung zum Schwangerschaftsabbruch notwendig war. Bis dahin galten im jeweiligen Strafgesetzbuch (DDR: § 153; BRD: § 218) eigene Vorschriften. Im Einigungsvertrag vom 31.8.1990 wurde dann festgehalten, dass bis Ende 1992 eine Regelung zu treffen sei, „die den Schutz vorgeburtlichen Lebens und die verfassungskonforme Bewältigung von Konfliktsituationen schwangerer Frauen (...) besser gewährleistet, als dies in beiden Teilen Deutschlands derzeit der Fall ist.“ 2 dhg Rundschau 4/1991, S. 1. Der vollständige Wortlaut der Resolution ist der Online-Veröffentlichung dieses Artikels beigefügt (http://www.dhg-vffm.de). Einen Nachdruck erhalten Sie bei der vffm-Materialstelle.
Abdruck in Fh 1/2012
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